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Tauben, Twitter und Co. – Von der Luftpost bis zum Internet


 

Brieftauben sind die E-Mail vergangener Epochen


Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde transportierten die Brieftauben bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts den damals noch wörtlich zu nehmenden "Anhang" über hunderte von Kilometern.

Vor 7.000 Jahren erstmals domestiziert, verbreitete die lebende Luftpost schon die Krönung Ramses des II. in ganz Ägypten. Jahrhunderte später überbrachten ebenfalls Tauben Julius Caesar die Kunde der gallischen Unruhen, und 1850 schuf Paul Julius Reuter mit seinem „Institut zur Beförderung telegrafischer Depeschen“ auf dem Dach der Pontstraße 117 in Aachen die Basis der heutigen Nachrichtenagentur Reuters. Auch in den Weltkriegen wurden mehr als 100.000 Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Unter ihnen VIPs – very important pigeons – wie G.I. Joe und Cher Ami aus dem US Army Pigeon Service. Im französischen Lille und in Berlin-Spandau stehen gar Denkmäler, die an die gefallenen respektive geschlagenen Brieftauben der beiden Weltkriege erinnern. Der Brieftaubendienst der Schweizer Armee führte die Vögel bis zu seiner Auflösung 1997 bürokratisch-schrullig als „selbstreproduzierende Kleinstflugkörper auf biologischer Basis mit fest programmierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen und Distanzen.“ Im Taubenschlag Ruhrgebiet dagegen braucht man weniger Worte: Hier spricht man einfach liebevoll vom „Rennpferd des kleinen Mannes“ – aber manchmal auch von „Ratten der Lüfte“. Wie undankbar.

Wir bei Durian sind natürlich dankbar, dass wir nun nicht über Brieftauben, sondern telefonisch und via E-Mail mit Kunden und Geschäftspartnern kommunizieren können. Doch was hat es zu bedeuten, dass seit einiger Zeit in den modernen Kommunikationsmedien erneut Vögel, wenn auch virtuelle, eingesetzt werden? Die „Flugpost“ auf „Twitter“ ist nun gänzlich entmilitarisiert und dient weniger der Kommunikation, als vielmehr dem reinen Senden von Nachrichten. Die Brieftaubenfreunde jedoch dürfen mit Genugtuung feststellen, dass sich auch die sozialen Netzwerke dem Charme der Taubenpost nicht völlig entziehen können.



Bild: Gerd Saile / pixelio.de

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